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14.12.2025 · Ernst Fischer
Bild: wikimedia commons

O Heiland, reiß die Himmel auf

O Heiland, reiß die Himmel auf,

Herab, herab, vom Himmel lauf,

Reiß ab vom Himmel Tor und Tür,

Reiß ab, wo Schloß und Riegel für!

O Gott, ein' Tau vom Himmel gieß,

Im Tau herab, o Heiland, fließ.

Ihr Wolken, brecht und regnet aus

Den König über Jakobs Haus.

O Erd, schlag aus, schlag aus, o Erd,

Daß Berg und Tal grün alles werd.

O Erd, herfür dies Blümlein bring,

O Heiland, aus der Erden spring.

Inmitten der Schrecken des 30-jährigen Krieges (und inmitten der Krisen unserer Zeit)

Das Gedicht von Friedrich Spee, viel bekannter als Text eines der adventlichen Gottesdienstlieder, ist 1622 in der Zeit des 30-jährigen Krieges entstanden. Tod, Leid und Verzweiflung waren in einem großen Ausmaß ständige Begleiter der Menschen dieser Zeit. Auch heute sind wir wieder mit Krieg und Not konfrontiert, und seit den Kriegen in der Ukraine und den aktuellen Ereignissen im Nahen Osten sind sie uns sehr nah.

Inmitten der Schrecken des 30-jährigen Krieges (und inmitten der Krisen unserer Zeit) erinnert sich der Jesuit Friedrich von Spee, schon zu Lebzeiten bekannt als guter Prediger, als Kritiker der Hexenprozesse und als Autor von gottesdienstlichen Liedern, an zwei Stellen aus dem Alten Testament: Jesaja 45,8 und Jes 63,19.

Kein vorweihnachtliches Klingelingeling, sondern eine Klage und eine Hoffnungsschrei.

Mit zahlreichen dynamischen, starken Verben, mit Auf- und Anrufen und ebenso vielen Hoffnungsbildern in Substantivform gelingt Spee ein starkes Stück Text: Kein vorweihnachtliches Klingelingeling, sondern eine Klage und eine Hoffnungsschrei.

Vielleicht gilt auch für heute: Es gibt schönere Zeiten. Aber das ist unsere Zeit! Mit Friedrich Spee braucht sie Menschen, die zur Not den Himmel aufreißen, wenn die Erde Anderen zur Hölle wird. Sie braucht Menschen, die der Verzweiflung standhalten. Sie braucht Glaubenden, die Unsicherheit und Verletzlichkeit auszuhalten – auch dann wenn sie selbst keine einfachen Lösungen und keine schnelle Hilfe anbieten können.

Denn aus Verzweiflung kann Hoffnung werden, und aus Hoffnung kann Kraft werden: Tau, der vom Himmel fällt und die Erde grün werden lässt!

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